[Presseverteiler] PM: Feindbild Antimilitarismus: Prozesse wegen der Aktionswoche „Rheinmetall Entwaffnen“ Köln
Ezra | Bundesvorstand der Roten Hilfe
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Di Mär 24 16:14:39 CET 2026
Pressemitteilung:
Feindbild Antimilitarismus: Prozesse wegen der Aktionswoche „Rheinmetall
Entwaffnen“
Die Aktionswoche „Rheinmetall entwaffnen“ im August 2025 in Köln war ein
starkes antimilitaristisches Zeichen – und zugleich ein Höhepunkt
staatlicher Repression mit brutalen Polizeiangriffen, stundenlangen
Einkesselungen hunderter Demonstrierender und zahllosen Auflagen,
Verbotsverfügungen und Schikanen. Nun beginnen die ersten Prozesse gegen
Aktivist*innen, wobei minimale Regelübertretungen zu Straftaten
aufgeplustert werden. Die ersten drei Gerichtstermine finden am 25. März
2026 vor dem Amtsgericht Köln statt,für den 30. März ist ein weiterer
Prozess terminiert.
Vom 26. bis 30. August 2025 kamen tausende Antimilitarist*innen aus
unterschiedlichen linken Spektren nach Köln, um gemeinsam gegen
Kriegstreiberei und Aufrüstung zu protestieren. Rund um das zentrale
Camp war die Aktionswoche „Rheinmetall entwaffnen“ mit dutzenden
Demonstrationen, Blockaden und kreativen Aktionen im ganzen Stadtgebiet
präsent. Von Anfang an wurden die antimilitaristischen Strukturen und
Planungen mit massivenRepressionsmaßnahmen überzogen, die die
Versammlungen zu verhindern suchten. Die Grundrechte der
Organisator*innen und Teilnehmenden wurden systematisch eingeschränkt,
und nur in Einzelfällen konnte noch gerichtlicher Schutz gegen die
behördliche Willkür erreicht werden, indem die Veranstalter*innen
beispielsweise das Verbot des gesamten Camps durch eine Klage abwehren
konnten.
Ein martialisches Polizeigroßaufgebot von 1.200Beamt*innen überwachte
und bedrängte die Antimilitarist*innen und versuchte, durch brutale
Angriffe mit Knüppel- und Pfeffersprayeinsätzen die Proteste zu
zerschlagen. Mit stundenlangen Masseneinkesselungen wurden zahllose
Aktivist*innen ihrer Freiheit beraubt. Allein bei der großen
Demonstration am 30. August 2025 wurden 525 Teilnehmende teilweise mehr
als neun Stunden lang in einem nächtlichen Kessel festgehalten. Die
magere Bilanz, mit der der Innenminister von Nordrhein-Westfalen am 11.
September 2025 die flächendeckenden Zwangsmaßnahmen am 30. August
legitimieren wollte, belief sich auf 13 konkrete Strafvorwürfe. Ähnlich
dünn fiel die Statistik sonstiger Vorfälle aus, die die zahllosen
Grundrechtseinschränkungen, polizeilichen Gewaltexzesse und den
tagelangen Großeinsatz erklären sollte.
Im Nachgang zeigten die Repressionsorgane deshalb großen
Ermittlungseifer, um weitere potenziell strafbare Regelübertretungen
ausfindig zu machen. Hunderte weitere Verfahren wurden eingeleitet und
bereits zahlreiche Strafbefehle verschickt. Nun stehen die ersten
Gerichtstermine gegen Antimilitarist*innen bevor: Am 25. März 2026 will
das Amtsgericht Köln offenbar kurzen Prozess machen und drei
Angeklagteab 12.45 Uhr im Halbstundentakt aburteilen. Die Aktivist*innen
sollen bei einer Blockade-Aktion vor dem Bundeswehr-Personalmanagement
beteiligt gewesen sein und werden nun der Vermummung beschuldigt.
Zunächst hatten sie Strafbefehle erhalten, gegen die sie Einspruch
eingelegt hatten, um sich gegen diese staatliche Repressionsmaßnahme zu
wehren und eine ordentliche Gerichtsverhandlung zu erhalten.
Ein weiterer Prozess nach Jugendstrafrecht soll am 30. März 2026 am
Wohnort der betroffenen Person stattfinden. Wegen des immer wieder
pauschal vorgebrachten Vorwurfs des Landfriedensbruchs war in diesem
Fall ein Strafbefehl über 100 Tagessätze verhängt worden – also bereits
deutlich im Vorstrafenbereich. Dagegen wurden ebenfalls Rechtsmittel
eingelegt, weshalb nun ein Gerichtstermin in Rottenburg angesetzt ist.
„Die jetzigen Prozesse sind aus Sicht der Repressionsorgane die logische
Fortsetzung ihrer extremen Härte gegen jeden antimilitaristischen
Protest, den wir bereits im vergangenen August bei den behördlichen
Verboten und polizeilichen Exzessen gegen die Aktionswoche von
"Rheinmetall Entwaffnen"beobachten mussten. In Zeiten, in denen die
Regierungspolitik für immer neue Kriege übt und die deutschen
Rüstungsunternehmen Massaker und Genozide in aller Welt mit Waffen made
in Germany befeuern, gehören Proteste gegen Kriegstreiberei und
Waffenschmieden zu den zentralen staatlichen Feindbildern“, erklärte
Hartmut Brückner vom Bundesvorstand der Roten Hilfe e. V. „Wir stehen an
der Seite der angeklagten Aktivist*innen und hoffen, dass auch alle
anderen Betroffenen sich kollektiv gegen die Repression wehren. Wir
rufen dazu auf, die Prozesse solidarisch zu begleiten. Als Rote Hilfe e.
V. fordern wir ein Ende der Kriminalisierung antimilitaristischer
Proteste und die Einstellung der Verfahren!“
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