[Presseverteiler] PM: Paris ermöglicht Auslieferung des Antifaschisten Gino an Deutschland: No Extradition!
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Mi Sep 30 15:23:09 CEST 2026
Pressemitteilung:
Paris ermöglicht Auslieferung des Antifaschisten Gino an Deutschland: No
Extradition!
Am heutigen Mittwoch, 30. September 2026,hat das Pariser
Kassationsgericht mit einem empörenden Urteil den Weg für die
Auslieferung von Gino an Deutschland freigemacht. Damit hat es die
Entscheidung des Berufungsgerichts endgültig bestätigt, das am 18.
August dem deutschen Auslieferungsersuchen gefolgt war. Dem
Antifaschisten Gino, der im sog. Budapest-Komplex beschuldigt wird,
droht jetzt unmittelbar die Überstellung an Deutschland. Bei seiner
Ankunft muss der Aktivist mit sofortiger Verhaftung, einem weiteren
offen politischen Schauprozess und einer hohen Haftstrafe rechnen. Zudem
ist aber auch nicht auszuschließen, dass die deutschen Behörden Gino
direkt weiter an Ungarn überstellen, wo ihm unmenschliche
Haftbedingungen, Folter und eine Strafe von bis zu 24 Jahren drohen.
Gino wird beschuldigt, sich zusammen mit anderen Antifaschist*innen im
Februar 2023 in Budapest an körperlichen Auseinandersetzungen mit Nazis
beteiligt zu haben. Damals fand der NS-verherrlichende „Tag der Ehre“
statt, das jährlich stattfindende europaweit größte
Nazi-Vernetzungstreffen, wogegen es antifaschistische Proteste gab. Die
Vorfälle nahm Ungarn zum Anlass für eine internationale
Kriminalisierungswelle gegen Antifaschist*innen, wobei sich vor allem
die deutschen und US-amerikanischen Behörden der Repressionsoffensive
engagiert anschlossen.
Auch in Deutschland laufen Prozesse im Budapest-Komplex, wobei Ende
September 2025 als erste die Nürnberger Antifaschistin Hanna zu fünf
Jahren Haft verurteilt wurde – ohne jede Beweise. Seit Anfang 2026 läuft
in Düsseldorf das Budapest-Großverfahren gegen sechs Antifaschist*innen,
und auch im Dresdner Antifa-Großprozess wird mehreren Angeklagten eine
Beteiligung an den Vorfällen in Ungarn vorgeworfen. Die meisten in
Deutschland Beschuldigten sind schon seit Jahren in
Untersuchungshaft. Parallel dazu wurde heute in Budapest das
Strafverfahren gegen Maja T., Gabriele M. und Anna M. beendet und vom
Revisionsgericht der Schuldspruch und die grotesk hohen Haft- und
Geldstrafen im Wesentlichen bestätigt.
Zu den international verfolgten Antifaschist*innen gehört auch Gino, der
in Mailand aufwuchs, aber einen albanischen Pass hat. Er lebte zuletzt
jahrelang in Finnland und floh vor den Verfolgungen im Budapest-Komplex
nach Frankreich, wo er im November 2024 für mehrere Monate in Haft
genommen wurde, weil Ungarn per Europäischem Haftbefehl seine
Auslieferung verlangte. Angesichts der katastrophalen
Menschenrechtslage, insbesondere der drohenden Folter, und mit Verweis
auf die fehlende Rechtsstaatlichkeit in Ungarn lehnte es die
Auslieferungskammer des Pariser Berufungsgerichts im April 2025 ab, Gino
an Budapest zu überstellen.
Als enge Bündnispartnerinnenbei der ungarisch-deutschen Verfolgungsjagd
gegen Antifaschist*innen erließen daraufhin die deutschen Behörden Ende
2025 einen eigenen Europäischen Haftbefehl gegen Gino und verlangten
seine Auslieferung, um ihn in Deutschland anzuklagen. Zur Begründung
verweist die Bundesanwaltschaft darauf, dass zwei der Nazis, die in
Budapest verletzt worden sein sollen, die deutsche Staatsangehörigkeit
besitzen. Im Fall von Deutschland fiel es der Pariser Justiz deutlich
schwerer, die offen politische Verfolgung und die unübersehbaren
Rechtsbrüche im Umgang mit Antifaschist*innen zu benennen, die einer
Auslieferung im Wege stehen. Dabei besteht das hohe Risiko, dass die
deutschen Behörden anschließend Gino an Ungarn ausliefern und das
Pariser Urteil von 2025 auf diese Art rechtswidrig umgehen. Eine
Auslieferung könnte entweder direkt nach der Ankunft erfolgen oder aber
nach einem Prozess und mehrjähriger Haft in Deutschland. Die Gefahr ist
umso größer, als der Antifaschist weder Deutscher noch EU-Bürger ist.
Aber der politische Druck aus Deutschland ist enorm, und am 18.
September 2026 hatte deshalb bereits das Berufungsgericht Ginos
Auslieferung beschlossen, wogegen die Verteidigung vor das
Kassationsgericht zog. Die heutige Sitzung des Kassationsgerichts
bestätigte die Auslieferung an Deutschland endgültig.
Die Entscheidung war ein Schock und löste unmittelbar starke Proteste
vor allem in Paris aus. In den letzten Wochen hatte sich eine
internationale Solidaritätskampagne formiert, die besonders in
Frankreich und Italien zu Massenprotesten und breiter gesellschaftlicher
Unterstützung für Gino führte. Hunderte Prominente unterzeichneten eine
Petition, die die drohende Auslieferung scharf ablehnte und die
Verfolgung von Antifaschist*innen im Budapest-Komplex anprangerte. Für
heute Abend sind zudem mehrere Proteste im ganzen Land angekündigt.
„Die heutige Entscheidung desPariser Kassationsgerichts, Gino nach
Deutschland auszuliefern, ist ein Skandal und zeigt, dass auch in
Frankreich Grund- und Menschenrechte nicht länger für Antifaschist*innen
gelten. Schließlich muss Gino nicht nur mit schwerer politischer
Verfolgung und langer Haft in Deutschland rechnen, sondern auch die
rechtswidrige Auslieferung an Ungarn fürchten“, erklärte Hartmut
Brückner vom Bundesvorstand der Roten Hilfe e. V. „Wir stehen an der
Seite von Gino und allen anderen verfolgten Antifas. Wir rufen zu
Protesten gegen die drohende Auslieferung an Deutschland auf. Und vor
allem müssen wir dagegen ankämpfen, dass Gino von hier aus an Ungarn
ausgeliefert wird. Wir sind alle Antifa – no extradition!“
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