[Presseverteiler] PM: Ulm5: Skandalöser Prozessauftakt in Stammheim
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Di Apr 28 13:10:46 CEST 2026
Pressemeldung:
Ulm5: Skandalöser Prozessauftakt in Stammheim
Am Montag, dem 27. April2026, begann der Prozess gegen die Ulm5 im
Hochsicherheitstrakt des berüchtigten Oberlandesgerichtsgebäudes in
Stuttgart-Stammheim, das seinem miesen Ruf alle Ehremachte. Alleine die
Tatsache, dass Vi, Leandra, Crow, Zo und Daniel gerade hier vor Gericht
stehen, ist höchst fragwürdig und lädt die politische Dimension zum
klaren Nachteil der Angeklagten auf: Unschuldsvermutung Fehlanzeige.
Aber da die vorsitzende Richterin die Kommunikation zwischen
Verteidigung und Angeklagten unterband, die Verteidiger*innen gekonnt
ignorierte und selbst die Möglichkeit zur Stellung von Anträgen
verweigerte, kam es nicht einmal zur Feststellung der Personalien.
Nachdem sich der Beginn der Verhandlung aufgrund akribischer Kontrollen
der Angehörigen, Freund*innen und Genoss*innen der Angeklagten bereits
um über eineinhalb Stundenverspätet hatte, weigerten sich die
Angeklagten und die Verteidiger*innen,sich zu setzen. Das Setting im
Gerichtssaal besteht aus zwei Reihen für die Verteidigung – es
sindinsgesamtelf Rechtsanwält*innen – die vor einer Panzerglasscheibe
Platz nehmen sollen, hinter der sich die fünf Angeklagten in
Handschellen und in Begleitung von Justizbeamt*innen befinden. Eine
vertrauensvolle Kommunikation zwischenihnen und derVerteidigung soll
offensichtlich unterbunden werden. Da das Gericht nicht auf
Lösungsvorschläge einging,verließen die Verteidiger*innen geschlossen
den Saal und es kam zu einer zweistündigen Unterbrechung.
Da sich bereits anbahnte, dass es an diesem Verhandlungstag im
Gerichtssaal nicht mehr zu den Eröffnungsstatements der Verteidigung
kommen würde, wurden diese kurzerhand von den Aktivist*innen verlesen,
die sich aus Solidarität vor der JVA eingefunden hatten. Die
Stellungnahmen gewährten Einblicke in die bodenlose Arbeitsweise der
Generalstaatsanwaltschaft(GSA)Stuttgart und des Gerichts. Die
Verteidiger*innen wurden von Anfang an als lästiges Übel behandelt. Die
Richterin ging im Voraus nicht ans Telefon, verbotden Anwält*innen, ihr
Mails zu schreiben und nahm keinerlei Rücksicht auf Anfahrten der
Verteidiger*innen, von denen einige aus Berlinkommen.
Dass diese Verhandlung gerade in diesem Haus geführt wird, hat ein
besonderes "Geschmäckle": Das Gebäude wurde extra für die RAF-Prozesse
Anfang der 1970er Jahre erbaut. Das unterstellt den Angeklagten ein
Gefahrenpotenzial, das in keinem Verhältnis zu den vorgeworfenen Taten
steht. Damals hat der deutsche Staat auch wiederholt die
Strafprozessordnung im Sinne einer von Schikanen und Vorverurteilungen
geprägten Prozessführungneu ausgelegt,so die Anwältinnen von Zo.
Außerdem instrumentalisiert die GSA Stuttgart den Antisemitismusbegriff
in der Anklage, wie wir es aktuell in vielen Kontextenin Deutschland
erleben.
In Bezug auf die konkreten Vorwürfewiesen die Verteidiger*innen in ihren
Statements darauf hin, dass bei einer im Raum stehenden Beteiligung
eines Rüstungskonzerns an einem genozidalen Vorgehen der israelischen
Armeeeinedirekte Aktion durchaus angebracht sein kann.
Nachdem die Verhandlung nach der Unterbrechung ungeändert fortgeführt
werden sollte, besetzten die Anwält*innen die Sitzplätze der
Angeklagten.Daraufhin wurde der Prozess unterbrochen und auf den
nächsten Verhandlungstermin am 4. Mai vertagt.
„Elbit Systems in Ulm gehört zu den größten Rüstungslieferanten der
israelischen Armee und macht sich an unvorstellbarer Gewalt gegen
diepalästinensischeZivilbevölkerung mitverantwortlich, die zehntausenden
Menschen bereits das Leben gekostet hat. Wir müssen uns ins Gedächtnis
rufen, dass die Angeklagten hingegen keiner Fliege etwas zu Leide getan
haben, die Vorwürfe belaufen sich auf Hausfriedensbruch und
Sachbeschädigung. Darüber hinaus soll wie so oft eine kriminelle
Vereinigung konstruiert werden,"kommentiert Hartmut Brückner vom
Bundesvorstand der Roten Hilfee.V.„Dass das Gericht sich anmaßt, Recht
sprechen zu wollen,ohne ein absolutes Minimum der Rechte der Angeklagten
zu wahren, ist ein bezeichnender Skandal.“
[In der Zwischenzeit wurde von der Verteidigung ein Befangenheitsantrag
gegen die vorsitzende Richterin estellt.]
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